Skip to content
Enex Technologies Showroom

Kapitel 4: Die Geometrie der Kälte und die Pioniere der Alpenregion

Kapitel 4: Die Geometrie der Kälte und die Pioniere der Alpenregion

Sergio Girotto

Wie Samen, die vom Wind getragen werden, begannen unsere Maschinen nach dem Bau der ersten Anlage im Vollmaßstab in den Schneelandschaften Dänemarks und Schwedens sowie in einigen Regionen Italiens Wurzeln zu schlagen. Zwischen 2003 und 2004 wurden etwa zwanzig Anlagen gebaut. Dies waren Anlagen, die auf den Erfahrungen mit der Anlage in Treviso aufbauten (siehe Kapitel 3). Das heißt, Anlagen mit Parallelverdichtern, einstufig für MV und zweistufiger Innenverdichtung für LT sowie mit einem Sammler vom Typ „Open Flash Tank“.

In der Zwischenzeit schlossen sich weitere Pioniere unserem Vorhaben an: Linde Carrier realisierte eine Anlage in Wettingen in der Schweiz. Obwohl es sich um ein relativ einfaches System handelte (einstufig für MT und Kaskade für LT), war es von beachtlicher Größe. Es bewies, dass wir auf dem richtigen Weg waren, denn ein Branchenführer folgte unserem Beispiel. Es war eine stillschweigende Anerkennung.

Die Anlage in Wettingen brachte einige interessante Neuerungen hervor: zunächst den ersten transkritischen Verdichter von Bitzer, anschließend das erste elektrische Ventil aus der Industrie für die Regelung hoher Drücke in Gaskühlern und das erste CO₂-Gasregelventil von Luve.

Zu diesem Zeitpunkt war klar, dass die Technologie zwar noch die Phase der „Feldtests“ durchlief, sich aber bereits weitere Akteure mit ihr beschäftigten, wenn auch noch in einem frühen Stadium.

2006 machte uns Danfoss ein überraschendes Geschenk: die ersten Hochdruckregelventile. Dadurch konnten wir mit einem mutigen neuen Konzept experimentieren, dem „Economizer“.

Der Economizer ist eine Vorrichtung, die die Leistung der Anlage bei steigenden Außentemperaturen deutlich verbessert. Unter diesen Bedingungen erhöht sich die Bildung von Flashgas durch ein zweistufiges Laminierungsverfahren und die Absaugung des Dampfes mittels eines Hilfskompressors.

Durch ein zweistufiges Entspannungssystem und die Absaugung des Dampfes mittels eines Hilfsverdichters konnten wir die Effizienz der Anlage in bislang unerreichte Bereiche steigern. Die erste große Anwendung wurde 2008 in Freiburg realisiert.

2007 und 2008 wurde ein weiterer bedeutender Meilenstein erreicht: Supermärkte benötigten eine einzige zentrale Anlage zur Versorgung sowohl der MT-Kühlmöbel als auch der LT-Tiefkühlräume.

Das Ergebnis war das Booster-System. Etwa zeitgleich mit anderen Marktteilnehmern entwickelten wir ein Konzept mit integriertem MT- und LT-Bereich, das jedoch deutlich effizienter war als ein Kaskadensystem, da kein Zwischenwärmetauscher und damit auch keine Temperaturdifferenz zwischen LT und MV sowie die daraus resultierenden thermodynamischen Verluste vorhanden waren.

Wir verfeinerten zudem den Einsatz von Maschinen mit zweistufigen Verdichtern, die damals ausschließlich von Dorin hergestellt wurden, dem einzigen Unternehmen, das zu jener Zeit an diese Technologie glaubte.

Inzwischen traten 2007 zwei neue Unternehmen in den Markt für transkritische CO₂-Systeme ein. Eines davon hatte seinen Sitz in Dänemark, Advansor, das andere in Schweden, Green & Cool. Da es sich um eine neue und kleine Branche handelte, kannte ich die Gründer persönlich.

Damals gab es auch mehrere Versuche, große Wärmepumpen für die Trinkwassererwärmung zu entwickeln, ähnlich wie in Japan nach dem Erfolg der kleinen „EcoCute“-Systeme. Dies war auch für die Kältetechnik von Bedeutung, denn Swep entwickelte für den vielversprechenden Markt der Wärmepumpen einen wassergekühlten Hochdruck-Gaskühler, der 120 bar standhalten konnte, das Modell B16DW, das in gewerblichen Kälteanlagen als Wärmerückgewinnungswärmetauscher eingesetzt werden konnte. Darüber hinaus verbesserten sich die Dorin-Verdichter dank eines erweiterten Testprogramms erheblich, das mehrere Monate dauerte und ihre Zuverlässigkeit auf ein hohes Niveau brachte.

Dennoch lasteten Skepsis und die Angst vor Drücken von 120 bar weiterhin schwer auf unseren Köpfen, und der Markt blieb wie gelähmt. In den Bergen der Schweiz, Skandinaviens und des Vereinigten Königreichs fanden wir jedoch dank der Weitsicht von Partnern wie Frigo Consulting und Kaeltering unseren Halt und installierten mehrere hochmoderne Anlagen.

Im Schatten der Alpen bauten wir nicht mehr nur Maschinen. Während der Rest der Welt die Technologie noch als „experimentell“ betrachtete, schmiedeten wir bereits eine neue Philosophie der Kälte.